A HOUSE TO LIVE
A PLACE TO LEARN

Wir sind in der Stadt Oświęcim, um uns an Auschwitz zu erinnern. Um zu überzeugen, dass wir aus der Vergangenheit lernen müssen. Wir zeigen, dass Oświęcim ein Ort der Begegnung, der Versöhnung und der Verständigung sein kann. Wir sind in der Stadt Oświęcim, damit Auschwitz sich nicht wiederholt.

JUGEND AUF DER SPURENSUCHE

Vom 13. bis 18. März 2024 fand in der IJBS Oświęcim/Auschwitz ein polnisch-deutsch-ukrainisches Seminar für zukünftige Freiwillige der Kampagne #StolenMemory der Arolsen Archives statt. Ziel der Kampagne ist es, die Familien der Opfer der deutschen Konzentrationslager ausfindig zu machen und ihnen die Hinterlassenschaften ihrer Angehörigen aus den Arolsen Archives zurückzugeben. An dem Projekt sind junge Menschen aus drei Schulen beteiligt: Spezialisierte Schule für Deutsch Nr. 53 in Kiew/Ukraine, Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen/Deutschland und das I Liceum Ogólnokształcące im. H. Sienkiewicza in Łańcut/Polen. Aufgrund des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine ist es den Arolsen Archives und der IJBS Oświęcim/Auschwitz ein besonderes Anliegen die Zusammenarbeit mit ukrainischen Partnern zu intensivieren und langfristig zu verankern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrer*innen aus der Ukraine. Begleitend dazu tourt auch die polnisch-ukrainische #StolenMemory Ausstellung im umgebauten Überseecontainer durch Polen.

Während des Programms in der IJBS lernten die Teilnehmer*innen die Geschichte des KL Auschwitz und der Stadt Oświęcim kennen sowie das Schicksal der Auschwitz-Überlebenden: Tadeusz Szymański (Häftlingsnummer 20034) - Mitbegründer der IJBS Oświęcim/Auschwitz und Verfechter der polnisch-deutschen Aussöhnung und Anastasia Gulej (Häftlingsnummer 61369), die noch immer in der ukrainischen Hauptstadt lebt und seit vielen Jahren ein kleines Büro der ukrainischen Vereinigung ehemaliger Häftlinge der nationalsozialistischen Konzentrationslager leitet, um den letzten Zeitzeug*innen zu helfen. Die Seminarteilnehmer*innen erörterten die Frage, welche Rolle persönliche Gegenstände und Familiengeschichten bei der Überlieferung von Geschichte heute spielen. Besonderes Augenmerk legten wir auf die Schilderungen junger Menschen aus Kiew, die ihre Erfahrungen aus dem Alltag im Angesicht des Krieges mit Russland schilderten. Mit Unterstützung von Expert*innen der Arolsen Archives und erfahrenen Freiwilligen begaben sich die Gruppen auf die Suche nach den Familien dreier ausgewählter Helden der #StolenMemory Kampagne, von denen heute noch Depositen, sogenannte Effekten, erhalten sind:

  • Zofia Mościcka - geb. Górecka, geboren am 25.11.1908 in Płocochowo in der Gemeinde Pułtusk, Häftling im Konzentrationslager Ravensbrück (Lagernummer 38226) und Neuengamme (Lagernummer 4470). Am Ende des Krieges wurde sie dank des Engagements des schwedischen Diplomaten Folke Bernadotte aus dem Lager gerettet. Sie wurde dann nach Schweden transportiert. Von dort aus ging sie am 23.10.1945 nach Polen. Ein Ehering und ein Ring warten auf die Rückgabe.https://digitalcollections.its-arolsen.org/01020903/name/thumbview/193248/223500
  • Pawlo Jakuba - Zwangsarbeiter, geboren am 6. Oktober 1905 oder 1915 im Dorf Mlyny im Kreis Hadjatsch (heutige Ukraine). Er wurde im November 1944 von den Nationalsozialisten bei Androhung von Strafe gezwungen, als „Ostarbeiter“ in der Kreisbauernschaft Kolberg/Belgard zu arbeiten. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Neben dem Rasiermesser und den Fotos sind in den Arolsen Archives auch Jakubas Tagebücher aus dem Jahr 1943 erhalten geblieben. Darin vermerkt er den 25. Dezember 1941 als Geburtstag seines Sohnes Wasja. Auch der Name „Marija Jakuba“ wurde vermerkt. https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/108007337?s=Pawlo%20Jakuba&t=0&p=0
  • Leon Laufer - geboren am 4. Juni 1900 in Magdeburg, deutscher Unternehmer, wurde am 6. September 1944 von der Gestapo verhaftet, weil er als Jude in einem öffentlichen Luftschutzkeller gesessen und damit einem „Arier“ den Platz weggenommen habe. Noch am selben Tag wurde er in das Arbeitserziehungslager Farge und am 22. Dezember 1944 in das Konzentrationslager Neuengamme überführt, wo sich seine Spur verliert. Ein Ring und eine Uhr warten auf die Rückgabe. https://digitalcollections.its-arolsen.org/01020903/name/view/192998

 

Das gemeinsame Treffen und die Seminararbeit wurden mit einem Ausflug nach Krakau abgeschlossen. Die Seminargruppe besuchte das Museum GALICJA und nahm an einer Führung durch das jüdische Viertel Kazimierz teil. Wir drücken die Daumen für die Suche nach den Familien und hoffen auf ein Wiedersehen bei der Übergabe von Dokumenten und Depositen aus den Arolsen Archives!

 

Organisation:

IJBS Oświęcim/Auschwitz/Polen, Arolsen Archives/Deutschland

Koordination:

Elżbieta Pasternak, pasternak@mdsm.pl

Anna Meier-Osiński, anna.meier-osinski@arolsen-archives.org

Elisabeth Schwabauer, Elisabeth.Schwabauer@arolsen-archives.org

 

Das Projekt wird aus den Mitteln des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) und des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Programms TRIYOU finanziert.

#StolenMemory#CivilSocietyCooperation#triyou

 

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