A HOUSE TO LIVE
A PLACE TO LEARN

Wir sind in der Stadt Oświęcim, um uns an Auschwitz zu erinnern. Um zu überzeugen, dass wir aus der Vergangenheit lernen müssen. Wir zeigen, dass Oświęcim ein Ort der Begegnung, der Versöhnung und der Verständigung sein kann. Wir sind in der Stadt Oświęcim, damit Auschwitz sich nicht wiederholt.

ERINNERUNG UND AKTIVISMUS

DEUTSCH-POLNISCHES SEMINAR FÜR STUDENT*INNEN UND GESCHICHTSINTERESSIERTEN PERSONEN - ZUSAMMENFASSUNG

Zwanzig Studenten*innen und Schüler*innen, die das Institut für Europastudien der Jagiellonen-Universität, die Krakauer Jugendgesellschaft der Freunde der Wissenschaften und Künste unter der Schirmherrschaft der Jagiellonen-Universität sowie die Universitäten Leipzig, Erfurt und Potsdam vertraten, nahmen an der ersten Auflage des Seminars vom 9. bis 15.06.2022 teil. Ziel des Seminars war es, Raum zu schaffen für eine Reflexion über die gegenwärtige Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und Auschwitz sowie über aktuelle Herausforderungen bei der aktiven Bekämpfung von Phänomenen wie Diskriminierung, Hassreden und Antisemitismus aus polnischer und deutscher Sicht. Das Seminar begann mit einem Workshop im Jüdischen Zentrum in Oświęcim, in dem wir uns unter der Leitung der Referent*innen Maciek Zabierowski und Karolina Turza mit dem Schema von Gordon Allport auseinandersetzten, der in seinen Forschungen feststellte, dass Verbrechen auf der ganzen Welt, wie dem Holocaust an den Juden während des Zweiten Weltkriegs, Hassreden, Ausgrenzung und Diskriminierung einer bestimmten Gruppe oder sozialen Schicht vorausgingen. Er veranschaulichte diese Beziehung als eine „Pyramide des Hasses”, die aus fünf Stufen besteht. Unter anderem durch das Prisma dieser Workshops sollten die Teilnehmer*innen das, was in Auschwitz geschah, betrachten. Vor dem Besuch der Gedenkstätte lernten die Teilnehmer*innen die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Oświęcim kennen, sahen den Dokumentarfilm PO-LIN - Okruchy pamięci [Spuren der Erinnerung] von Jolanta Dylewska und diskutierten die Frage, ob und wie das Thema Auschwitz und Holocaust in Familienerzählungen und öffentlichen Debatten in Polen und Deutschland präsent ist.

Der Besuch der Gedenkstätte ermöglichte es den Teilnehmer*innen, ihr historisches Wissen zu vertiefen, stärkte aber auch, wie sie selbst zum Abschluss betonten, in ihnen die Einstellung, sich aktiv für Toleranz und die Achtung der Menschenrechte einzusetzen. Eine praktische Hilfe dabei war ein Workshop, der von Charlotte Lohmann und Karolina Wodara als Vertreterinnen des Projektes Firewall der Amadeu Antonio Stiftung durchgeführt wurde. Die Teilnehmer*innen analysierten Beispiele von Hassreden im Internet, Berichte von Menschen, die von Hassreden betroffen waren, und übten die Anwendung der sogenannten Gegenrede auf ausgewählte Kommentare. Besonderes Augenmerk legten die Seminarteilnehmer*innen auf das Phänomen des Antisemitismus in Polen in historischer und aktueller Perspektive sowie auf antisemitische Hassreden. Diesem Zweck diente ein Vortrag und eine Diskussion mit Dr. Edyta Gawron vom Institut für jüdische Studien an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Obwohl die jüdische Gemeinde in Polen heute schätzungsweise nur zehntausend Menschen zählt, sind antisemitische Äußerungen in ihren traditionellen oder modernen Erscheinungsformen im öffentlichen Raum immer noch präsent.

Das Seminar endete mit einem gemeinsamen Spaziergang durch Krakau und das jüdische Viertel Kazimierz, der von der polnischen Gruppe vorbereitet wurde. Als Fortsetzung der Aktivitäten des Seminars will die Gruppe gemeinsam eine soziale Kampagne entwickeln, die vor allem junge Menschen in Polen und Deutschland für das Phänomen der Hassrede sensibilisieren soll.

Die Organisatoren des Seminars sind: IJBS Oświęcim/Auschwitz, WINetzwerk Leipzig/Deutschland, Amadeu Antonio Stiftung/Deutschland, Auschwitz Jewish Center/Polen.

Das Projekt wird aus den Mitteln des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) finanziert.

 

 

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