Marian Turski 1926-2025
Mit großer Trauer haben wir die Nachricht vom Tod von Marian Turski erhalten, einem Zeitzeugen, Journalisten, sozialen Aktivisten, Historiker und Freund der IJBS. Ein herausragender Mann, dessen Stimme in der ganzen Welt gehört wurde, ist von uns gegangen.
Für die Stiftung der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim und alle ihre Mitarbeiter war Marian Turski ein besonders wichtiger Mensch. Ein Zeitzeuge und gleichzeitig ein Mann, der fest in der heutigen Realität verwurzelt war, der suchend, durchdringend, kritisch und kompromisslos die Wahrheit verteidigte, sein Wissen teilte und die Welt erklärte. Seit den Anfängen der Jugendbegegnungsstätte hat er dessen Aktivitäten und Initiativen unterstützt und war stets ein gern gesehener Gast bei zahlreichen Treffen, Vorträgen, Konferenzen und Projekten. In den letzten Jahren unterstützte er die Initiative zur Einrichtung des Gerhard-Richter-Ausstellungspavillons und die Präsentation des Zyklus „Birkenau“ in Oświęcim. Er hinterließ uns auch den Text „Mein glücklichster Tag“, eine Kurzgeschichte, die von der IJBS anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens veröffentlicht wurde und in der wir alles finden, was sein Leben ausmachte: seinen Drang nach Wissen, sein tiefes Interesse an anderen Menschen und ihrer Geschichte, seine Lebensfreude. Er wird uns immer in Erinnerung bleiben.
Marian Turski wurde am 26. Juni 1926 in Druskininkai (heute Litauen) geboren. Im Jahr 1942 wurde er in das Ghetto Lodz (Litzmannstadt) umgesiedelt, wo er bis zu dessen Liquidierung im August 1944 blieb und dann nach Auschwitz deportiert wurde. 1945 überlebte er den Todesmarsch ins Lager Buchenwald und den Marsch nach Theresienstadt, wo er die Befreiung erlebte.
Nach dem Krieg engagierte er sich in politischen und sozialen Bereichen. Ab 1958 arbeitete er für die Wochenzeitung Polityka, wo er viele Jahre lang den Geschichtsteil leitete. Er beteiligte sich aktiv an den Aktivitäten der jüdischen Organisationen. Er war Vorsitzender des Vereins des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau und Mitglied des Internationalen Auschwitz-Rates. Er arbeitete auch im Vorstand des Vereins, der das Haus der Wannsee-Konferenz betreibt, und im Vorstand des Museums für die Geschichte der polnischen Juden mit. Er war Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees.
Seine Aktivitäten und sein Engagement für das Gedenken an die Geschichte des Holocaust und die Förderung des interkulturellen Dialogs brachten ihm zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen ein.
Als Journalist und Zeitzeuge verfolgte Marian Turski das politische Geschehen bis in die letzten Tage seines Lebens mit wachsender Sorge. Er war entsetzt über den europaweiten Aufstieg antisemitischer und rechtsextremer Ideologien und die rhetorische Gewalt, mit der die Vertreter dieser Ideologien vor allem junge Menschen zu radikalisieren versuchten. Nichts trieb Marian Turski in den letzten Monaten seines Lebens mehr an als die Worte des Auschwitz-Überlebenden Primo Levi: „Es ist geschehen und es kann wieder geschehen.“.
Anlässlich des Todes von Marian Turski betonte Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, in Berlin:
„Auschwitz-Überlebende in vielen Ländern verabschieden sich mit großem Schmerz und unendlicher Dankbarkeit von ihrem Freund, Bruder und Leidensgefährten Marian Turski, der in aller Welt als wirkmächtiger Vertreter ihrer Erinnerungen und als Stimme ihrer ermordeten Angehörigen gehört wurde.“
Möge seine Erinnerung ein Segen sein