#StolenMemory
Deutsch-polnisch-ukrainisches Seminar für Jugendliche
Die IJBS Oświęcim/Auschwitz und Arolsen Archives arbeiten seit 2019 im Rahmen der Kampagne #StolenMemory zusammen. Ziel der Kampagne ist es, die Familien der Opfer deutscher Konzentrationslager ausfindig zu machen und ihnen die in Arolsen Archives aufbewahrten Erinnerungsstücke (Effekten) ihrer Angehörigen zurückzugeben.
Während des polnisch-deutsch-ukrainischen Seminars, das vom 12. bis 18. Mai 2026 in Oświęcim und Krakau stattfand, diskutierten dreißig junge Freiwillige gemeinsam über Suchstrategien und Dokumentation und lernten voneinander. Die jungen Menschen helfen dabei, Schicksale aufzuklären und Lücken in Familiengeschichten zu schließen; sie engagieren sich aktiv für die Bewahrung und Gestaltung der Erinnerung. Vor dem Hintergrund des aktuellen Krieges in der Ukraine sind Krieg, Trauma, Überleben und Erinnerung keine historischen, sondern aktuelle Themen. Dies zeigt allen Beteiligten, wie zerbrechlich und nicht selbstverständlich der Frieden in Europa ist, welche Mechanismen der Ausgrenzung und Verfolgung aus der Vergangenheit in der Gegenwart erkennbar sind und welche Werte in unseren demokratischen Gesellschaften verteidigt werden müssen.
Im Rahmen der Vorbereitung auf ihren Freiwilligendienst besuchten die Seminarteilnehmer*innen aus Łańcut, Brandenburg und Kiew gemeinsam mit ihren Lehrer*innen unter der Leitung von Museumsguides die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. In den Workshops beschäftigten sie sich mit der Biografie von Tadeusz Szymański, einem Überlebenden von Auschwitz und Initiator der Gründung der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim.
Mithilfe des digitalen Tools e-Guide Arolsen Archives entschlüsselten die Jugendlichen Dokumente aus Konzentrationslagern und analysierten die fragmentarisch erhaltene Dokumentation zu Tadeusz Szymański. Die Gymnasiasten aus Łańcut bereiteten unter der Leitung ihrer Lehrerin, Frau Urszula Mach, eine Präsentation über das Schicksal von Tadeusz Szymański vor, einem Absolventen des H. Sienkiewicz-Gymnasiums in Łańcut.
Tadeusz Szymański wurde am 18. Mai 1917 in Gostilj (Bosnien) geboren. Seine Eltern waren Polen. Nachdem die Familie Szymański nach Łańcut umgezogen war, wurde er Mitglied der polnischen Pfadfinder. Nach dem Kriegsausbruch meldete er sich als Freiwilliger zum Militär. Am 2. Mai 1941 wurde er aufgrund seiner Pfadfindertätigkeit verhaftet und am 12. August 1941 über die Gefängnisse Rzeszów und Krakau in das KL Auschwitz gebracht. Im Lager arbeitete er im Kommando der Gärtnerei Rajsko und danach im Aufnahmekommando. Im Herbst 1944 wurde Tadeusz Szymański in das Nebenlager Breslau-Lissa (ein Außenlager von Groß-Rosen) evakuiert, danach nach Groß-Rosen und von dort weiter nach Buchenwald. Nach der gelungenen Flucht aus einem Eisenbahntransport in Richtung Tschechoslowakei wurde er am 1. Mai 1945 befreit. Im Juli 1945 war Tadeusz wieder zu Hause. Von 1946 bis 1977 arbeitete er für die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau - zunächst in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und danach in der Abteilung „Sammlungen“. Er engagierte sich zudem intensiv bei der Suche nach den Eltern der Kinder von Auschwitz. In seiner Rentnerzeit arbeitete er mit großem Engagement mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und den Zeichen der Hoffnung zusammen. Er begleitete Seminare, traf viele Gruppen während ihrer Reisen durch Polen und wurde zu zahlreichen Treffen mit der deutschen Jugend in der Bundesrepublik eingeladen. Für diese Arbeit wurden ihm die Theodor-Heuss-Medaille und das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland zuerkannt. Von Anfang an begleitete er die Internationale Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim, trug maßgeblich zur Gründung des Hauses bei und unterstützte die pädagogische Arbeit auf vielen Ebenen. Tadeusz Szymański verstarb am 26. August 2002.
Ein besonders wichtiger und bewegender Moment für alle Teilnehmer*innen war das Treffen und das Gespräch mit der Enkelin von Tadeusz Szymański, Frau Joanna Barcik, die über viele Jahre hinweg im Familienarchiv Erinnerungen, Aufzeichnungen und Erinnerungsstücke an Tadeusz gesammelt hatte, die unsere Gruppe nun einsehen durfte.
Zum Abschluss des Seminars besichtigten die Teilnehmer*innen Krakau und tauchten dabei in die jahrhundertealte und multikulturelle Geschichte Polens ein.
Die neuen Freiwilligen der Kampagne #StolenMemory beginnen voller Wissen, Erfahrung und Begeisterung mit der Suche nach den Familien der Opfer deutscher Konzentrationslager, um ihnen im Rahmen der Kampagne #StolenMemory der Arolsen Archives Erinnerungsstücke an ihre Angehörigen zurückzugeben.
Wir drücken ihnen die Daumen!
Organisation:
IJBS Oświęcim/Auschwitz
Arolsen Archives/Deutschland
Gymnasium Nr. 53 in Kyiv/Ukraine
von Saldern-Gymnasium Europaschule in Brandenburg an der Havel/Deutschland
I Liceum Ogólnokształcące im. H. Sienkiewicza in Łańcut/Polen
Koordination:
Elżbieta Pasternak, pasternak@mdsm.pl
Anna Meier-Osiński, anna.meier-osinski@arolsen-archives.org
Elisabeth Schwabauer, Elisabeth.Schwabauer@arolsen-archives.org
Das Projekt wird aus Mitteln des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) im Rahmen des Programms „Wege zur Erinnerung” finanziert.














